Stipendiaten
Trotz gesetzlicher Schulpflicht gehen viele Kinder in Belo – wie in ganz Madagaskar – nicht oder nur sporadisch zur Schule oder brechen sie vorzeitig ab. Viele Eltern kümmern sich nicht um den Schulbesuch, viele Kinder werden, statt in die Schule zu gehen, mit häuslichen Pflichten in Beschlag genommen, andere können sich die mit dem Schulbesuch verbundenen Nebenkosten für Schulsachen nicht leisten. Der Verein Freunde Madagaskars hat deshalb vor einigen Jahren begonnen, Paten zu suchen, die einzelnen Schulkindern und deren Familien in Belo finanzielle Unterstützung beim Schulbesuch geben. Wir beginnen mit der Förderung in der Grundschule Bemarivokely. Die Kandidaten für ein Stipendium werden von den Lehrkräften der Schule über deren Verein Ankizin’i Belo vorgeschlagen. Unser Mitarbeiter Adolphe Randriamampandry überprüft ihre Förderwürdigkeit gemäß den vorgegebenen Kriterien und erstellt kleine Dossiers mit den Kandidaten, mit denen wir in München um Patenschaften werben. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten müssen besonders bedürftig sein und unter besonders schwierigen familiären und sozialen Verhältnissen leiden. Ihre Eltern oder die sonstigen sie betreuenden Angehörigen müssen gewährleisten, dass sie den Schulbesuch und das schulische Lernen ernst nehmen. Und die Lehrkräfte müssen bestätigen, dass das Kind dafür motiviert ist.
Weil wir wissen, dass der Besuch der Grundschule, mit der die Schulpflicht und für die meisten Kinder auch der Schulbesuch insgesamt endet, für ein späteres besseres Leben längst nicht mehr ausreicht, haben wir uns eine längerfristige Förderung zum Programm gemacht. Das Stipendium beginnt in den beiden letzten Jahrgangsstufen der Grundschule. Von einer früheren Förderung haben wir auf Anraten der Lehrer wieder Abstand genommen, weil nach deren Erfahrung die jüngeren Kinder die mit dem Stipendium verbundene Eigenverantwortung noch nicht oder nur selten schon erbringen können. Das Stipendium wird in der Sekundarschule weitergeführt und endet im Regelfall mit dem erfolgreichen Abschluss der Sekundarschule. Eine weiterführende Förderung auf der Oberstufe des Gymnasiums und darüber hinaus kommt künftig nur noch in Ausnahmefällen in Betracht, wenn damit im Einzelfall wirklich erfolgversprechende realistische Perspektiven der oder des Jugendlichen verbunden sind. Deshalb gehört zu den Auswahlkriterien auch schon die Bereitschaft zu weiterführender Schulbildung nach der Grundschule. Das Stipendium für ein Schulkind beträgt 30 Euro pro Monat – das ist ein Euro pro Tag! Ende 2006 verfügt der Verein über Paten für 21 Stipendiaten. Die Auszahlung der Stipendien erfolgt direkt vor Ort durch unseren Mitarbeiter Adolphe entsprechend den Gegebenheiten der jeweiligen familiären und sozialen Situation jedes einzelnen Stipendiaten.
Die fachliche und persönliche Betreuung der Stipendiatenin ist zuletzt in den Mittelpunkt unserer Projektarbeit gerückt. Die Kinder und Jugendlichen treffen sich regelmäßig in unserer Bibliothek, erledigen dort ihre Schularbeiten, lernen mit dem Computer umzugehen, können Bücher und Zeitschriften lesen und ausleihen, können und bekommen auch gelegentlich eine kleinere Zusatzernährung (Joghurt und Früchte). Adolphe organisiert in den Schulferien aber auch Ausflüge mit unserem Kleinbus. In 2004 hat er die meisten der Stipendiaten zu “pädagogischen Exkursionen” mit in die Hauptstadt Antananrivo mitgenommen.
Die Mitgliederversammlung unseres Vereins hat in 2006 beschlossen, unser ursprüngliches Konzept des Stipendienprogramms zu verändern: Begrenzung der Förderung im Regelfall auf den Sekundarschulabschluss, Reduzierung der direkten finanziellen Hilfen zugunsten einer Projektförderung der gesamten Stipendiatengruppe und Einführung einer periodischen Evaluation des Stipendienprogramms. Im Herbst 2006 ist eine Gruppe von Vereinsmitgliedern aus München nach Belo gereist und hat eine erste Evaluation durchgeführt. Nach zweitägigen Einzelgesprächen mit den alten Stipendiaten und mit vom Partnerverein Ankinzin’i Belo vorgeschlagenen neuen Bewerbern wurden mehrere zumeist ältere Stipendiaten aus dem Programm entlassen und dafür neue jüngere Kinder aufgenommen.
Augenblick