Zur Lage der Bauern in Belo
Im Februar 2006 war eine Reisegruppe des Vereins Freunde Madagaskars e.V. aus München in Belo sur Tsiribihina. Der deutsche Verein kümmert sich seit mehr als 10 Jahren um die schulische und kulturelle Bildung sowie um die Ernährung und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen der Stadt. Mitglieder und Freunde des Vereins bringen dafür jährlich etwa 15.000 Euro auf. Im November 2005 hat der Verein in Belo das Konzert Voajanahari mit den zwei großen madagassischen Künstlern Dama Mahaleo und Ricky Olombelo veranstaltet. Vor dem Konzert hat Dama fünf Stunden lang mit Vertretern des Bauernverbandes von Belo diskutiert. Dama betreibt in der in der Nähe von Morondava ein ökologisches landwirtschaftliches Projekt und setzt sich nach einer 10jährigen Tätigkeit als Abgeordneter der Nationalversammlung als landwirtschaftlicher Berater für umweltfreundliche und dennoch ertragreiche landwirtschaftliche Produktionsweisen ein.
Unser gemeinsames Auftreten im November in Belo und die dabei
begründete partnerschaftliche Zusammenarbeit unseres Vereins Freunde
Madagaskars e.V. mit Damas und Rickys musikalischem Projekt Voajanahari
(für den Erhalt der Natur Madagaskars) war Anlass für die Vertreter der
Bauern in Belo, mit unserer Reisegruppe im Februar in der von uns
geförderten Grundschule Bemarivokely ein Gespräch über ihre Sorgen und
Nöte zu führen. Als zentrales Problem für die ländliche Bevölkerung
stellte sich dabei die anhaltende Bedrohung der Dörfer durch Banditen
und Viehdiebe (Dahalos) heraus. Nach ihren Angaben sind in der Region
um Belo seit der politischen Krise Anfang 2002 zwischen 200.000 und
300.000 Zeburinder gestohlen worden. Bei dieser Menge muss man ihrer
Meinung nach von organisierter Kriminalität ausgehen, von systematisch
gefälschten Papieren und Markierungen der Tiere, bevor sie auf die
zentralen Märkte des Landes gebracht werden.
Die Folge dieser Entwicklung sind Landflucht, verlassene Dörfer und
leere Dorfschulen, weil die Kinder in die relativ sichere Stadt Belo
geschickt werden. Die Bauern suchen sich neues Land in sichereren
Gegenden und brauchen dafür aber neue Infrastrukturen, Dämme, mit denen
sie ihre neuen Anbaugebiete bewässern können und neue Straßen, um ihre
Erzeugnisse auf den Markt und ihre Kranken zu den Gesundheitsstationen
bringen zu können. Die dafür erforderlichen und bei
Entwicklungsprogrammen (beispielsweise dem PSDR der Weltbank) vom
Bauernverband
von Belo beantragten Subventionen kommen nicht an oder nicht so zurück,
wie sie gebraucht würden. Vom Antikorruptionsprogramm Bianco haben die
Bauern zwar schon gehört aber noch keine Wirkung verspürt.
Eine besonders problematische Konsequenz der Landflucht und der
Suche nach neuen Anbaugebieten und Rinderweideflächen ist die neue
Besiedelung der Inseln im Delta des Tsiribihina. Dort fühlen sich die
Bauern relativ sicher vor den Dahalos. Um bearbeitbares Land zu
gewinnen, werden aber die ökologisch unersetzbaren Mangrovenwälder
abgeholzt und abgebrannt. Unser madagassischer Projektleiter in Belo,
Adolphe Randriamampandry, hat unsere Reisegruppe am folgenden Tag mit
dem Boot ins Delta geführt, und die Teilnehmer konnten sich vor Ort
anschaulich über die sich infolge dieser Entwicklung abzeichnende
Umweltkatastrophe informieren.
Der Verein Freunde Madagaskars e.V. kann die ländliche Bevölkerung
im Distrikt Belo sur Tsiribihina nicht selbst gegen die Dahalos
schützen. Aber wir haben den Freunden vom Bauernverband in Belo
versprochen, die zuständigen Behörden Madagaskars und auch die
madagassischen Medien auf ihre Probleme aufmerksam zu
machen. Und wir werden auch unsere deutschen in Madagaskar tätigen
Institutionen (Botschaft und ONGs) bitten, sich darum zu kümmern. Frau
Gudrun Ensslin, die Frau von Dr. Joachim Ensslin, dem deutschen Berater
des Staatspräsidenten Marc Ravalomanana, war Mitglied unserer
Reisegruppe und hat im Hotel Menabe in Belo
sur Tsiribihina am Abend noch lange mit den Bauernvertretern diskutiert.
Erich Raab
Sakaizan’i Madagasikara - Freunde Madagaskars e.V.
Beltweg 22 80805 München
München im März 2006
Augenblick